"Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz!"
Wenn etwas nicht funktioniert, muss man etwas Neues versuchen.
Und daraufhin habe ich bei der Kreisjägerschaft angerufen und mich nach einem Hundeführerlehrgang oder ähnlichem erkundigt. Mein Ziel dabei: Grundgehorsam verbessern und sich zeigen lassen, wie Jäger Kontrolle am Wild herstellen. Und es war eine sehr gute Entscheidung: Ich hatte mich noch nie vorher so gut betreut gefühlt.
Das Konzept war eigentlich ganz einfach und auch der Jäger arbeitete weitgehend mit positiver Bestärkung: Eindeutige Kommandos einführen, diese konsequent durchsetzen. Das ist meines Erachtens nach die allergrößte Schwachstelle im AJT! Wie sagte der Jäger immer so schön: "Die drei Säulen der Hundeerziehung heißen: Konsequenz. Konsequenz. Konsequenz." ;-)
Nix Neues, klar: Back to the Basics also - und die klare Ansage: Solange das im Nahbereich nicht 100%ig sitzt, brauchen wir an nichts anderem zu arbeiten! Noch wichtiger: Mir ist erstmals ein echter Spiegel vorgehalten worden; knallharter, kritischer Blick, pointierte Analyse und entsprechende Rückmeldung in deutlichen Worten (Vielleicht für manche zu deutlich und damit verletzend? Mein Erklärungsansatz, warum sich vielleicht mancher Trainer, der auf den Kunden angewiesen ist, davor drückt).
Mir wurde klar: Ich mache noch viel falsch, theoretisch war mir das meiste klar, aber in der praktischen Umsetzung haperte es halt noch. Klare Kommandos, Timing, Konsequenz in der Durchsetzung, eindeutige Körpersprache - all das war bei mir wirklich schlecht! Der "HF" (Hundeführer) 'führte' nicht, die Kommunikation war nicht klar - und so konnte es einfach nicht klappen. Stattdessen machte der Hund, was er wollte. Damit ich das auch selbst sehe, arbeiteten wir auch mit der Videokamera und ich bekam nach jeder Stunde ein Protokoll, auf dem Einschätzungen und Arbeitsziele formuliert waren. Mal ganz nebenbei bemerkt: Der Mann macht das nur als Hobby und nicht hauptberuflich. Von der Professionalität könnte sich aber so mancher Trainer etwas abschneiden. In der Ausbildung wurde so positiv wie möglich, aber mit so viel Druck wie nötig gearbeitet. Es blieb oft ein Balance-Akt; man sollte dabei weiterhin auf sein Bauchgefühl hören: Niemand kennt den eigenen Hund so gut wie man selbst. Und eins muss ich auch einräumen: Wäre ich in allem den Anweisungen des Jägers gefolgt, dann hätte ich wahrscheinlich jetzt an anderen Stellen Probleme - man darf eben weder den Bauch ignorieren, noch den Verstand ausschalten. ;-)Dennoch: Die Jägerstunden haben uns enorm geholfen. Wir wären heute nicht da, wo wir sind, wenn wir nicht bei der örtlichen Kreisjägerschaft in so gute Hände gefallen wären. Dass das nicht bei jeder KJS so sein muss, versteht sich von selbst, aber dennoch: Einen Versuch ist es wert! Im Jagdhundehalter-Forum ist eine Liste von KJS zu finden, mit entsprechenden Erfahrungsberichten der User.
Was mir beim Jäger allerdings fehlte war ein stimmiges Gesamtkonzept. Denn mein Hund sollte am Ende nicht gemeinsam mit dem Jäger auf die Jagd gehen, sondern als Begleithund triebmäßig ausgelastet und gehorsam durch's Leben schreiten. Da versagen die meisten Jägerschaften, was ihnen auch nicht zu verübeln ist, denn eigentlich sind jagende Second-Hand-Tierschutzhunde in Nichtjägerhand ja nicht ihre Klientel. Die alternative Auslastung wird also vernachlässigt. Der bereits angejagte Hund soll nicht jagen - gut und schön, aber was darf er denn dann zur "Triebbefriedigung" machen?! Fährtenarbeit, Dummytraining, Arbeit mit der Reizangel, Longieren - das alles sind hier Optionen, die eigentlich zu einem guten Jagdkontrolltraining gehören sollte. Jagdkontrolltraining - das ist der Begriff, für den ich mich jetzt entschieden habe, denn "Antijagd" ist mit einem triebstarken Jagdhund eh nicht zu erreichen und somit von der Bezeichnung her zwar schön plakativ, aber völlig irreführend.
Ein idealer Trainer ist deshalb also eigentlich die Verquickung von beidem - wenn sich jemand findet, der beides kennt und verbindet. Hundeschulen/-trainer, die selbst den Jagdschein besitzen und jagdlich geführte Hunde ausbilden und gleichzeitig Erfahrung mit anders gelagerten 'Problem'hunden haben. Häufig stecken hinter solchen Kombinationen ähnliche Erfahrungen: Man hatte diesen Hund aus dem Tierschutz übernommen, der einen vor völlig neue Herausforderungen gestellt hat. Darüber sind dann eigene zu ihrem Geschäft und zur Jagd gekommen und diese Kombi in der Erfahrung ist für Mensch-Hund-Teams wie Moritz und mich Gold wert! Es lohnt sich, danach zu suchen. Persönlich kenne ich hier nur zwei: Anke Lehne in Gaildorf, mit der wir auch trainiert haben (und der wir auch zu ganz großem Dank verpflichtet sind), und Claudia Kopp-Ulrich in Freiburg. Letztere züchtet auch Russellterrier und hält ein ganzes Rudel und kennt sich somit auch insbesondere mit den Eigenarten dieser Rasse aus.
Diese beiden kann ich guten Gewissens empfehlen, ich weiß aber, dass es noch mehrere Schulen dieser Art gibt, gern kann ich hier auch Namen weitergeben, wenn ihr mich danach fragt, nur kenne ich diese nicht aus persönlicher Anschauung und kann deshalb nur wenig zur Arbeitsweise oder Qualität sagen; es lohnt sich aber auf jeden Fall nach solchen Schulen zu suchen und auch lieber ein Stück weiter zu fahren.
Es ist ein langer Weg zum leinenlosen Leben und man wird mit einem echten Jagdgeier wohl nie wirklich entspannt spazieren gehen können. Aber dennoch ist so ein Hund so viel spannender und lehrreicher als ein leichtführiger Sofawolf ;-)
Jeder bekommt halt den Hund, von dem er noch etwas lernen kann. Wir haben noch viel vor uns! :oD
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